DGAP-News: USA-China-Konflikt: Technologiewettstreit um Macht und Wohlstand (deutsch)

Thursday, 26. November 2020 10:00
USA-China-Konflikt: Technologiewettstreit um Macht und Wohlstand

DGAP-News: Union Investment / Schlagwort(e): Sonstiges
USA-China-Konflikt: Technologiewettstreit um Macht und Wohlstand (News mit
Zusatzmaterial)

26.11.2020 / 10:00
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Frankfurt am Main, 26. November 2020 - Der Handelskonflikt zwischen den USA
und China verlagert sich zunehmend in die Arena der Hochtechnologie. Denn
hier liegt der Schlüssel zu künftigem Wohlstand und Einfluss in der Welt.
"Das Reich der Mitte bedroht aus Sicht der Vereinigten Staaten ihre
Wettbewerbsposition und nationale Sicherheit. Es ist ein Kampf um die
globale Vormachtstellung", sagt Michael Herzum, Leiter Macro & Strategy bei
Union Investment.

Nach zähem Ringen ist die US-Wahl endlich entschieden. Doch für China ändert
sich durch den Sieg Joe Bidens wenig. Auch die Anhänger der Demokraten
stehen dem Machtstreben Chinas skeptisch gegenüber. "Der Ton wird
gemäßigter, aber in der Sache wird Biden die harte Linie von Trump
fortsetzen", ist Herzum überzeugt.

Wettbewerb der Großmächte um Chips, Technologien und Daten

China ist für die USA das, was die Sowjetunion letztlich nie war. Ein
Konkurrent, der das Potenzial hat, nicht nur militärisch, sondern auch
wirtschaftlich und strategisch auf Augenhöhe zu agieren. Aktuell befindet
sich das Land auf der Überholspur: China stößt in das Machtvakuum, das sich
durch den Trump'schen Rückzug aus Abkommen und Bündnissen sowie die
Corona-Krise bietet. Die USA sind angreifbar, bei der Versorgung im
Gesundheitssektor und der eigenen Abhängigkeit von China innerhalb der
Wertschöpfungsketten im Technologiebereich.

Denn über den künftigen Wohlstand entscheidet nicht der Im- oder Export
klassischer Industriegüter, sondern die Positionierung bei
Hightech-Produkten. Beispiel: der Mobilfunkstandard 5G. Er wird in vielen
Bereichen revolutionäre Weiterentwicklungen anstoßen. Ohne die schnelle und
sichere Verbindung von 5G gibt es kein autonomes Fahren, keine vernetzten
Fabriken, keine Smart Cities. Und hier ist China mit Huawei, das in diesem
Bereich die fortschrittlichste Technik zum besten Preis liefert, optimal
aufgestellt. "5G wird das zentrale Nervensystem der vierten industriellen
Revolution.

Und wer an den Schalthebeln sitzt, kann den globalen Datenfluss
kontrollieren", sagt Sandra Ebner, Senior Economist bei Union Investment.
Entsprechend hitzig verlief die Diskussion über die Beteiligung von Huawei
beim Ausbau des Netzes in den westlichen Staaten.

Doch China hat eine Achillesferse: Mikrochips der neuesten Generation. Die
Chips sind ein vollständig globalisiertes Produkt. Keine Nation ist bei der
Herstellung autark. Design aus den USA, Maschinen aus den Niederlanden,
Fertigung in Taiwan - an manchen Chips sind hunderte Unternehmen aus
dutzenden Ländern beteiligt. Der Knackpunkt: Ein Stück US-Technik steckt in
fast allen Chips. So konnte die Trump-Regierung verfügen, dass selbst
ausländische Unternehmen Huawei nicht mehr mit den hochwertigsten
Komponenten versorgen dürfen.

Allerdings werden die USA zukünftig nicht nur auf eine solche
Verteidigungsstrategie setzen. Durch aktive Industriepolitik - etwa
Subventionen und Steuererleichterungen als Investitionsanreize - wird die
Regierung Biden versuchen, die eigenen Spitzenunternehmen noch ein bisschen
besser zu machen und den Wettbewerbsvorteil auszubauen. China will zwar
seinerseits auch bei Mikrochips unabhängiger vom Ausland werden. Doch das
Land liegt im Chip-Wettlauf rund vier Jahre zurück und das benötigte
Know-how lässt sich weder kurzfristig kopieren noch einkaufen. "Halbleiter
sind die Basis, 5G das Rückgrat und Daten der Rohstoff, um die Innovationen
von morgen zu ermöglichen. Der Zugang zu diesen Basiskomponenten entscheidet
damit über Wohlstand und Macht", sagt Herzum.

Die Großmachtkonkurrenz zwischen den USA und China wird die kommende Dekade
prägen. Eine Rückkehr zu vermehrter Kooperation wird es nicht geben. In
strategisch wichtigen Technologiebereichen ist deshalb eine Blockbildung mit
geographisch getrennten Einflusssphären sehr wahrscheinlich. Das chinesische
Megaprojekt der "Neuen Seidenstraße" lässt den möglichen Grenzverlauf
erahnen.

Zunächst werden die entstehenden Doppelstrukturen bei Produkten und
Wertschöpfungsketten zwangsläufig Ineffizienzen schaffen. Mittelfristig ist
es jedoch möglich, dass das Pendel sogar in die andere Richtung schwingt:
"Der staatlich massiv geförderte Innovationswettbewerb zwischen den USA und
China hat das Zeug dazu, einen globalen Produktivitätsschub auszulösen",
analysiert Ebner. Möglicherweise steht sogar das Zeitalter der schwachen
Wachstumsraten vor dem Ende.

Weitreichende Konsequenzen für Unternehmen und Staaten

Diese Entwicklung muss auch bei der Portfolioausrichtung berücksichtigt
werden: "Der Wettbewerb der Supermächte wird in der Unternehmenslandschaft
deutliche Spuren hinterlassen", sagt Michael Herzum. Halbleiter-Ausrüster
wie Applied Materials, LAM Research und die niederländische ASML könnten es
kurzfristig schwerer haben. Rund 30 Prozent ihrer Umsätze und ein Großteil
des Wachstums finden in China statt. Langfristig dürften sie aber genauso
von steigenden Investitionen profitieren wie die europäischen 5G-Akteure
Nokia und Ericsson.

Für die Staaten der Welt wird die Frage nach der eigenen Positionierung in
diesem Konflikt der Großmächte besonders heikel. Denn die Entscheidung für
eine Seite birgt immer die Gefahr, deutliche Nachteile durch die andere
Seite zu riskieren. Bei chinesischen Anrainerstaaten wie Taiwan steht sogar
die Souveränität auf dem Spiel, da der Technologievorsprung ein weiterer
Grund für eine Invasion Chinas sein könnte. Auch Europa wird sich
entscheiden müssen: Setzt man auf die alte, aber zuletzt merklich abgekühlte
Freundschaft zu den USA, geht man mit China, das schon jetzt wichtigster
Handelspartner vieler EU-Staaten ist, oder gibt es einen Mittelweg? "Das
Risiko für Europa, zwischen den beiden Wirtschaftsmächten in die
Bedeutungslosigkeit abzugleiten, hat klar zugenommen", sagt Herzum. Er
ergänzt mit Blick auf den Heimatmarkt: "Das deutsche Exportmodell steht auf
dem Prüfstand, wenn sich China als Nachfrager für heimische Industriegüter
zurückziehen sollte. Deshalb ist Deutschlands Position in diesem Konflikt
für den Kapitalmarkt hoch relevant."

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Zusatzmaterial zur Meldung:

Datei:
https://eqs-cockpit.com/c/fncls.ssp?u=47727710b6d85471e7bfd0bdd63f50f3
Dateibeschreibung: Analyse vom "Tradewar zum Techwar"

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1150694 26.11.2020

AXC0123 2020-11-26/10:00

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