GESAMT-ROUNDUP 2: Ukraine-Krieg mit Ölrally belastet Finanzmärkte weiter stark

Monday, 07. March 2022 11:55

(Neu: Details zum Gaspreis, Absätze 4 und 5, Kurse aktualisiert)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der immer weiter eskalierende Krieg in der Ukraine und die Furcht vor massiven wirtschaftlichen Folgen schocken die globalen Finanzmärkte weiter. Die Ölpreise steigen rasant, Aktienkurse sind weiter auf Talfahrt. Gefragt sind Gold, Staatsanleihen und Währungen wie der US-Dollar sowie der Schweizer Franken als sichere Häfen.

Am Montag drückten vor allem stark steigende Ölpreise zusätzlich auf die Stimmung. US-Außenminister Antony Blinken hatte wegen der weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs neue Strafmaßnahmen gegen Russland ins Spiel gebracht: Washington berate mit europäischen Verbündeten über einen möglichen Importstopp für Öl aus Russland. "Wir sprechen jetzt mit unseren europäischen Partnern und Verbündeten, um auf koordinierte Weise die Aussicht auf ein Verbot der Einfuhr von russischem Öl zu prüfen."

Der mögliche Importstopp für russisches Öl hat die Ölpreise zum Wochenauftakt auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kletterte bis auf fast 140 US-Dollar. Zuletzt waren es noch knapp 126 Dollar, ein Plus von rund 8 Dollar.

Der Großhandelspreis für Erdgas sprang ebenfalls hoch und erreichte nach Angaben von Energiemarktexperten ein Allzeithoch. Laut Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool wurde am Montagvormittag gegen 09.30 Uhr Erdgas zur Lieferung am Folgetag zeitweise für rund 335 Euro je Megawattstunde gehandelt. Zum Vergleich: Am 16. Februar, rund eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, war Erdgas zur Lieferung am Folgetag noch mit rund 69 Euro je Megawattstunde gehandelt worden.

Die Angaben des Energiemarktexperten beziehen sich auf das deutsche Marktgebiet auf der Handelsplattform Pegas, die von der Energiebörse EEX betrieben wird. Huneke sprach von einer "Panikstimmung" an den Märkten, hinter der die Sorge vor einer Versorgungsunterbrechung stehe.

"Nach oben schnellende Preise für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe treiben die Inflation in Europa und darüber hinaus auf den höchsten Stand in 40 Jahren", erklärt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg. Rohstoffexperte Warren Patterson von der Großbank ING verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bedeutung der Ukraine und Russlands für die globale Produktion von Weizen, für den der Preis immer weiter steigt.

Die Preise für Öl, Rohstoffe und Lebensmittel könnten laut Schmieding noch weiter steigen und die europäische Industrie könnte weitere Engpässe bei wichtigen Vorprodukten zu spüren bekommen. In diesem unsicheren Umfeld hätten die Aktienbörsen jeden Grund zu fallen. Langfristig gibt sich Schmieding aber auch ein wenig zuversichtlich. Die Energiewirtschaft etwa werde umgebaut, langfristig werde sie dadurch grüner und breiter aufgestellt. All das kostet aber erst einmal viel Geld.

Am deutschen Aktienmarkt ging die Dax -Talfahrt zu Beginn der neuen Woche ungebremst weiter. Der Dax brach zwischenzeitlich um rund fünf Prozent ein, zuletzt ging es noch um 3,8 Prozent auf 12 598 Zähler abwärts. Seitdem er Anfang Januar noch fast bis auf sein Rekordhoch von 16 290 Punkten gestiegen war, summieren sich die Verluste nun schon auf rund ein Viertel. Zu den wenigen Ausnahmen mit Kursgewinnen zählten am deutschen Aktienmarkt erneut Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und die Papiere von Düngerkonzernen wie K+S So ist Russland ein wichtiger Produzent von Düngern. An den anderen Aktienbörsen der Welt sah es nicht viel anders aus.

Gefragt ist hingegen Gold. In Dollar gemessen stieg der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) erstmals seit dem Sommer 2020 auf mehr als 2000 Dollar. Zum Rekordhoch von etwas mehr als 2075 Dollar fehlt allerdings noch ein wenig. In Euro gemessen ist Gold wegen der gleichzeitigen Schwäche der Gemeinschaftswährung bereits so teuer wie noch nie.

So setzen Anleger im aktuellen Umfeld noch stärker auf Währungen wie den Schweizer Franken und den Dollar als sichere Häfen. Der Euro fiel am Vormittag bis auf 1,081 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2020.

Gesucht sind tendenziell auch als sicher empfundene Wertpapiere wie Bundesanleihen. Wenngleich hier der Druck auf die Renditen im Tagesverlauf etwas nachließ. Zehnjährige Bundesanleihen etwa rentierten gegen Mittag mit minus 0,08 Prozent./mis/stk/jha/DP/mis

 ISIN  DE0008469008  EU0009652759  EU0009654078  JP9010C00002  US78378X1072

AXC0164 2022-03-07/11:55

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dpa-AFX
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